Wem gehört der Fang? Irlands Fischer fühlen sich von der EU um ihre Gewässer gebracht

Pádraig Mac Lochlainn, tags: irische - Sinn Féin via Flickr (CC BY)

Die irische Fischereiindustrie steht erneut im Zentrum eines politischen Sturms, und diesmal ist der Druck so groß wie nie zuvor. Während die EU neue Quotenkürzungen vorbereitet, sagen irische Fischer, sie arbeiteten bereits am Limit. Deutsche, die den Konflikt zwischen EU-Umweltzielen und lokalem Überleben kennen, werden die irische Debatte wiedererkennen – und die offene Frage, wer von gemeinsamen Gewässern profitiert und wer den Preis bezahlt, wenn sich die Politik ändert.

Sinn-Féin-Abgeordneter Pádraig Mac Lochlainn gehört inzwischen zu den lautesten Stimmen, die Taten fordern. Seiner Ansicht nach hat Irland nicht nur Fisch verloren, sondern auch Gerechtigkeit. Er meint, dass die jahrzehntealte Gemeinsame Fischereipolitik der EU ausländischen Flotten mehr Zugang zu irischen Gewässern eingeräumt habe als den einheimischen Besatzungen.

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU ist eine tiefgreifende Ungerechtigkeit gegenüber unseren Fischereigemeinden … ausländische Fangschiffe dürfen den Löwenanteil mitnehmen … und mit der Zeit wird es immer schlimmer.

Pádraig Mac Lochlainn

Am Limit auf See

Die öffentliche Frustration hat sich auf Straßen und Wasserbahnen ergossen. Im Juni 2021 fuhren rund 100 Trawler den Dubliner Fluss Liffey hinauf, während Schaulustige die Kais säumten. Fischer hielten Banner hoch, auf denen stand, sie seien „beraubt“ worden, und warnten, dass Küstengemeinden verschwinden könnten, wenn sich die Politik nicht ändert. Anfang desselben Jahres setzte eine weitere Flottillen-Protestfahrt in Cork das gleiche Zeichen: Irische Fischereibetriebe fühlten sich ignoriert, übergangen und an den Rand gedrängt.

Jetzt taucht eine neue Sorge auf: Makrele. Wissenschaftliche Gremien warnen, dass die Bestände stark unter Druck stehen, und empfehlen eine drastische Kürzung der Quote um 70 Prozent. Diese Empfehlung löste im Oktober angespannte Verhandlungen in London aus, bei denen Norwegen, Schottland und die Färöer gegen das Ausmaß der Kürzung protestierten. Die EU hielt dagegen, nur ein wissenschaftsbasiertes Vorgehen könne einen langfristigen Zusammenbruch verhindern.

Für Mac Lochlainn fühlt sich dieser Moment wie eine letzte Warnung an. Er fordert die Verantwortlichen auf, stärkere Allianzen zu schmieden, lauter zu werden und eine Branche zu schützen, die seiner Meinung nach seit Jahrzehnten geopfert wird. Ob irgendwer zuhört, bleibt offen.