An den britischen Küsten steigen die Spannungen erneut: Britische Fischer fordern ein Vorgehen gegen französische Trawler, die angeblich die 12-Meilen-Territorialgrenze verletzen. Der Streit lässt alte Brexit-Frustrationen wieder aufleben und weckt neue Sorgen um das Überleben der Küstenfischer, ein Thema, das auch bei den deutschen Nord- und Ostseeflotten mit ihren eigenen Quotenproblemen und der Konkurrenz aus dem Ausland auf große Resonanz stößt.
Die liberaldemokratische Abgeordnete Rachel Gilmour, die den Wahlkreis Tiverton and Minehead vertritt, veröffentlichte kürzlich Fotos, auf denen elf französische Schiffe innerhalb der Sperrzone zu sehen sind, und warnte die Regierung, dass die Situation sich zu einem „endlosen“ Problem entwickle. In einem Schreiben an Fischereiminister Daniel Zeichner erklärte sie, unkontrollierte ausländische Boote seien seit zwei Wochen in denselben Gebieten unterwegs und gefährdeten die Existenz kleiner britischer Flotten.
Forderungen nach schärferer Durchsetzung
Lokale Fischer betonen, ihre traditionellen Methoden – meist mit Rute und Leine und dem Zurücksetzen untermaßiger Fische – seien deutlich nachhaltiger als die großflächige Befischung ausländischer Trawler mit engmaschigen Netzen. Diese Schiffe fangen ihrer Ansicht nach wirtschaftlich wichtige Arten für den Südwesten ohne ausreichende Kontrolle und untergraben damit die lokalen Bemühungen, gesunde Bestände zu sichern.
Der Ärger hat sich seit dem Abkommen von Premierminister Keir Starmer mit der EU im Mai 2025 noch verschärft, das den europäischen Zugang zu britischen Gewässern bis 2038 verlängert. Zwar bestätigt die Vereinbarung formal die 12-Meilen-Schutzzone, doch viele Fischer beklagen, die Regeln würden kaum durchgesetzt.
Bringt die EU-Boote raus aus den 12 Meilen … dann könnten wir einfach rausfahren, einen Tag arbeiten und alles anlanden, was wir fangen. … nur normale Sicherheitsstandards reichen – diese Maßnahmen würden die Branche wieder auf die Beine bringen.
Jack Baker, kornischer Kapitän
Der kornische Kapitän Jack Baker erklärte, würden EU-Schiffe außerhalb der Grenze verbannt, könnten kleine Boote wieder einen Tag lang fischen und ihren gesamten Fang anlanden – das würde den angeschlagenen Sektor beleben. Laut Regierungsdaten hat sich die Zahl der britischen Fischereifahrzeuge in den vergangenen drei Jahrzehnten halbiert; die meisten verbliebenen Boote sind unter zehn Meter lang.
Kritiker warnen, Reformen zugunsten nachhaltiger Fischerei nützten wenig, solange die Territorialregeln nicht strikt überwacht würden. Küstenvertreter fürchten, ohne rasches Eingreifen könnte die britische Kleinfischerei vollständig zusammenbrechen.

